Man schreibt einen Blogartikel, fügt einen Link zu einer externen Quelle ein und schon stellt sich die Frage: Ist dieser Link für uns ein ausgehender Link oder für die andere Website ein Backlink? Die Antwort ist einfach: beides zugleich.
Ein und derselbe Hyperlink trägt je nach Perspektive einen anderen Namen – je nachdem, ob man die Sicht der verlinkenden oder der verlinkten Website einnimmt. Diese Verwechslung erschwert viele konkrete Entscheidungen bei der Suchmaschinenoptimierung, insbesondere wenn man entscheiden muss, ob man einen Link setzt, um einen bittet oder ein Attribut festlegt.
Ausgehender und eingehender Link: zwei Seiten desselben Hyperlinks
Nehmen wir eine typische Situation: Ein Foodblog veröffentlicht ein Rezept und erwähnt einen Olivenölproduzenten, indem er auf dessen Onlineshop verlinkt. Für den Foodblog ist dieser Link ein ausgehender Link: Er führt Besucher zu einer anderen Domain. Für den Produzenten ist derselbe Link ein eingehender Link, auch Backlink, Rückverweis oder Inbound-Link genannt.
Der Mechanismus ist in jeder Branche derselbe. Eine Nachrichtenseite, die auf einen offiziellen Bericht verweist, setzt für sich selbst einen ausgehenden Link und für die institutionelle Website einen Backlink. Zu verstehen, was ein eingehender oder ausgehender Link ist, bedeutet also, zu erkennen, wer in diesem Austausch verlinkt und wer den Link erhält.
Neben diesen beiden Kategorien verbindet der interne Link zwei Seiten derselben Website. Er erzeugt keinen Backlink und zählt nicht als ausgehender Link. Seine Aufgabe ist es, die Navigation zu strukturieren und die SEO-Autorität zwischen den Seiten derselben Domain zu verteilen.

rel-Attribute bei ausgehenden Links: Was Google wirklich erwartet
Wenn man einen ausgehenden Link setzt, stellt sich zunächst die praktische Frage nach dem Attribut rel. Sollte man nofollow, sponsored oder ugc hinzufügen – oder gar nichts angeben?
Google stellt in seiner Search-Central-Dokumentation klar: Ein redaktioneller Link zu einer nützlichen Quelle benötigt kein Attribut. Verweist man auf eine Quelle, weil sie den Lesern einen Mehrwert bietet, bleibt der Link „natürlich“ und kann Ranking-Signale weitergeben, ohne dass dies problematisch wäre.
In drei konkreten Fällen sind Attribute erforderlich:
rel="sponsored"für alle Links, die im Rahmen eines kommerziellen Austauschs, einer bezahlten Partnerschaft oder gegen eine finanzielle Gegenleistung zustande kommen. Google akzeptiert in diesem Fall auchnofollow, dochsponsoredist eindeutiger.rel="ugc"für Links, die von Nutzern veröffentlicht werden (Kommentare, Foren, Profile). Diese Kennzeichnung signalisiert Google, dass die Website den Link nicht redaktionell ausgewählt hat.rel="nofollow", wenn man die eigene Seite nicht mit der Zielwebsite in Verbindung bringen möchte und der Link weder Teil eines kommerziellen Austauschs noch nutzergenerierter Inhalt ist.
Seit dem 1. März 2020 behandelt Google diese drei Attribute als Hinweise und nicht mehr als strikte Vorgaben. Ein mit nofollow gekennzeichneter Link kann Google dennoch ermöglichen, die Zielseite auf anderen Wegen zu entdecken und zu indexieren. Die Kennzeichnung eines Links garantiert nicht, dass Google ihn ignoriert – das verändert die Planung ausgehender Links.
Risiko für den Herausgeber, nicht nur für den Empfänger
Googles Spamrichtlinien richten sich gegen Links, die zur Manipulation des Rankings erstellt werden, und gelten in beide Richtungen. Eine Website, die ausgehende Links verkauft, ohne sie korrekt zu kennzeichnen, geht ein ebenso großes Risiko ein wie eine Website, die künstliche Backlinks kauft. Oft wird angenommen, dass nur der Empfänger eines Links ein Risiko eingeht. Doch auch die verlinkende Website ist betroffen.
Backlinks und Suchmaschinenoptimierung: Worauf es bei einem eingehenden Link ankommt
Ein Backlink hat keinen festen Wert. Mehrere Kriterien bestimmen sein tatsächliches Gewicht im Google-Ranking. Wer sie verwechselt, riskiert ineffektive Linkbuilding-Kampagnen.
Die Autorität der verlinkenden Domain ist nach wie vor der wichtigste Faktor. Ein Link von einer thematisch anerkannten Website wiegt mehr als ein Dutzend Links aus allgemeinen Verzeichnissen. Auch die thematische Nähe zwischen der verlinkenden Website und der Zielwebsite spielt eine Rolle: Ein Wanderblog, der auf einen Hersteller von Trailrunning-Schuhen verlinkt, sendet ein stimmiges Signal.
Der Linkanker, also der anklickbare Text, gibt Google einen Hinweis auf den Inhalt der Zielseite. Ein aussagekräftiger und natürlich formulierter Ankertext hilft der Suchmaschine, die verlinkte Seite zu verstehen. Ein überoptimierter Ankertext hingegen – etwa die Wiederholung desselben exakten Keywords in Dutzenden Backlinks – kann Spamfilter auslösen.
Auch der Kontext der verlinkenden Seite ist wichtig. Ein Link im redaktionellen Fließtext eines Artikels, umgeben von relevantem Text, vermittelt mehr Wert als ein Link in der Fußzeile oder Seitenleiste.

Eine stimmige Linkstrategie mit eingehenden und ausgehenden Links entwickeln
Oft werden die Verwaltung eingehender und die Verwaltung ausgehender Links getrennt behandelt, als wären es zwei unabhängige Aufgaben. In der Praxis ergänzen sich beide und tragen gemeinsam zur Glaubwürdigkeit einer Website bei.
Eine Website, die hochwertige Inhalte erstellt und ihre Quellen mit sorgfältig ausgewählten ausgehenden Links belegt, vermittelt ein Signal der Vertrauenswürdigkeit. Dieselben Inhalte ziehen aufgrund ihres Nutzens und ihrer Quellenangaben ganz natürlich Backlinks von anderen Websites an. Ausgehende Links stärken die redaktionelle Qualität, und redaktionelle Qualität bringt eingehende Links hervor.
Ausgehende Links: keine Angst davor haben
Manche Herausgeber vermeiden ausgehende Links aus Sorge, dadurch „SEO-Kraft zu verlieren“. Diese Vorstellung ist überholt. Google bewertet Seiten, die auf relevante Ressourcen verweisen, weil dies die Nutzererfahrung verbessert. Alle ausgehenden Links zu entfernen, macht Inhalte ärmer und isoliert die Website vom übrigen Web.
Eingehende Links: Qualität vor Quantität
Beim Aufbau von Backlinks hat sich die Strategie, möglichst viele Links zu sammeln, als begrenzt wirksam erwiesen. Googles Spam-Updates zielen auf künstliche Linkprofile ab. Es ist besser, einige Backlinks von Websites mit hoher thematischer Autorität zu erhalten, als Hunderte von Links von Websites anzuhäufen, die nichts mit dem eigenen Tätigkeitsbereich zu tun haben.
Auch ein vielfältiges Linkprofil ist von Vorteil: unterschiedliche Ankertexte, verschiedene verlinkende Seiten und ein regelmäßiger Aufbau statt eines plötzlichen Peaks, auf den lange nichts folgt.
Der Unterschied zwischen einem eingehenden und einem ausgehenden Link ist eine Frage der Perspektive, nicht des Mechanismus. Beide beruhen auf demselben HTML-Code und demselben Hyperlink. Was sich ändert, ist die eigene Rolle: Herausgeber oder Empfänger. Wer sich diesen Unterschied vor Augen hält, kann Attribute korrekt festlegen, die Linkbuilding-Strategie gezielt ausrichten und Fehler vermeiden, die sich negativ auf das Ranking auswirken.



